Die Umstellung der Deutschschweizer Spielkarten vom einköpfigen auf das zweiköpfige
Kartenbild war ein Prozess, der fast ein Jahrhundert in Anspruch genommen hat.
Die Gründe dafür waren vielfältig.
So kam es, dass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl einköpfige (mit der Zeit immer weniger) als auch zweiköpfige (nach und nach immer mehr) Deutschschweizer Spielkarten existierten. Und so kam es auch, dass ein Neuling als Spielkartensammler noch das eine oder andere einköpfige Kartenspiel erwerben konnte.
Gegen Ende des 19.Jahrhunderts produzierte die Firma J.Müller in Schaffhausen einköpfige Spielkarten
mit scharfen Ecken, sowohl phyisch bei den Karten, wie auch gedruckt bei den Rahmen.
Die Karten sind mit J.Müller und Schaffhausen beschriftet.
Von 1920 bis 1930 produzierte die Firma J.Müller in Neuhausen noch einköpfige Spielkarten,
beschriftet mit beiden Herstellungsorten Schaffhausen und Hasle.
Zwischen 1930 und 1960 stellte J.Müller die letzten einköpfigen Spielkarten mit
Deutschschweizer Bild her. Aus dieser Zeit stammen die folgenden Karten.
Ab 1960 erschienen von AG Müller nur noch zu besonderen Gelegenheiten einköpfige Spielkarten mit
Deutschschweizer Bild. So gab es ein grossformatiges (172 x 115mm) Party-Jass sowie verschiedene Werbespiele
in normaler Spielkarten-Grösse.
In den 1930er Jahren produzierte die Firma Wasco in Ennetbaden Spielkarten. Allerdings ist nicht mehr genau
feststellbar, welche Arbeitsschritte wirklich in Ennetbaden erfolgten, und was allenfalls aus Altenburg
bezogen wurden. Der Besitzer, Walter Scharff, war vorher Spielkartenfabrikant in München und später
Direktor bei VASS in Altenburg. Scharff war Jude. Deshalb verlor er Anteile und Direktorposten der VASS.
Er musste die Wasco an J.Müller in Schaffhausen verkaufen und verliess mit seiner Familie 1936/37 die
Schweiz und zog nach Ägypten, wo er wiederSpielkarten produzierte.
Das Bild ist der Zeichnung von Müller sehr ähnlich. Verschiedene kleine Details sind aber schöner
gestaltet.
Die Firma Scheuch in Biel produzierte zwischen 1940 und 1943 Spielkarten. (Danke R.Manser)
Das Bild ist der Zeichnung von Müller sehr ähnlich. Einzig beim Schellen- und Rosen-As sind gewisse
Abweichungen sichtbar. Selbst die Rückseiten sind denjenigen von Müller abgekupfert,
aber nicht genau gleich.
In Zürich produzierte die Firma Treff ein eigenes Bild, das künstlerisch besser gestaltet war.
So sieht z.B. der Bart des Eicheln-Königs nicht so "angeklebt" aus wie beim Bild von Müller.
2019 entwarf der Baarer Grafiker Jens Riedweg neue Spielkarten mit einköpfigem Deutschschweizer Bild.
Dabei diente ihm das Bild von Jakob Peyer als Vorlage. Riedweg überarbeitete die alten Illustrationen
auf aufwändige, aber sanfte Art. Produziert werden die Karten in der Engelberger Druck AG Stans, also
Swiss Made von A bis Z.